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Kieler Nachrichten, August 2004 Westentaschen-
Woodstock: Die Seven Ts Open Air in der Forstbaumschule
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Wer will ernsthaft bestreiten, dass Black Magic Woman,
Brown Sugar, Proud Mary oder Smoke on the Water unter
freiem Himmel, am Ende eines heißen Sommertages mit hunderten
von Leuten bei lecker Bierchen einfach anders, einfach
besser klingen als irgendwo sonst?
Und so ein ganz kleiner Hauch von Westentaschen-Woodstock
wehte auch über die bis auf den allerletzen Platz besetzte
Forstbaumschule, als dort die Seven T`s (die bis 1998
Alzheimers hießen) auftraten. Mit bunten Hemden, Smileys
und Blümchensticker auf der ausgebleichten Schlaghose
sowie Peacezeichen und Stones-Zunge an der Gitarre zeigte
das Kieler Quintett schon äußerlich klar wo es musikalisch
langgehen sollte. Ein freudiges Wiederhören mit si ziemlich
jeder bekannten Rock- und Soulperle der siebziger und
frühen achtziger Jahre wurde geboten. Von den Rolling
Stones bis Westernhagen, von Santana bis Toto, von Deep
Purple bis Bob Dylan, von Gary Moore bis Creedence Clearwater
Revival zauberten Jürgen Braun (Gesang und Gitarre), Anke
Tiemann (Gesang und Saxophon), Bernd Pahlke (Gitarre),
Paul Clausen (Bass) und Wulla Schult (Drums, Gesang) einen
Golden Oldie nach dem anderen aus ihrem blendend sortierten
und liebevoll gepackten Cover-Koffer. Dabei war es immer
wieder ein Vergnügen zu beobachten, dass der Auftritt
den Musikern offenbar ebensoviel Freude machte, wie den
Gästen, von denen einige echte Fans der Kombo zu sein
schienen. Allerdings machte es die Aussteuerung und die
Open-Air-Akkustik den wirklich ordentlichen Stimmen der
Band oftmals schwer, sich gegen die Instrumente zu behaupten.
Gleichwohl rockte sich die Truppe voller Spielfreude und
musikalischer Energie durch das Programm. Ein Programm
übrigens, dass sogar mit einigen prima Eigenkompositionen
– zu finden auf der CD Back Again – aufwarten konnte.
Wie das langsam bluesige Black Night is falling, der geradlinig
losgallopierende Bikers Song, die entspannt groovende
Reggae-Nummer Secret Island oder das R&B gefärbte So long.
„Mit 200 Downloads war So long vor einiger Zeit Nummer
1 der Blues-Rock Charts beim Internet Musik Portal BeSonic“,
erzählt Jürgen Braun mit berechtigtem Stolz in einer der
wenigen und zeitlich knapp bemessenen Pausen seines Auftrtts:“Natürlich
verdienen wir daran keinen Cent. Aber trotzdem ist es
ein tolles Gefühl. Wir hatten mal einen Hit!“ That`s Rock
`n Roll.
Thomas Richter